Stefanie Wilkens

Die Erziehungsstelle Wilkens ist in den Privathaushalt der Erziehungsstellenfamilie integriert und befindet sich in einem freistehenden Einfamilienhaus am südlichen Ortsrand der Stadt Dassel. Auf einem Grundstück von knapp 900m² liegt der Bungalow mit insgesamt 240m² Wohn- und Nutzfläche. Im Wohnkeller (Souterrain) verfügt die Erziehungsstelle Wilkens über u. a. ein 16,5m² großes Kinderzimmer mit ebenerdigem Fenster und eigenem kleinen Bad mit Dusche. Ein weiteres Kinderzimmer befindet sich im Erdgeschoss des Hauses.

Ein Hauptmerkmal der Erziehungsstelle Wilkens ist das stabile familiäre Umfeld, eingebunden in die aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben des Ortes.
Ein klar strukturierter Alltag gibt den Kindern Geborgenheit und Orientierung, gemeinsame Mahlzeiten, und auch oft die gemeinsame Zubereitung derselben, sind ein wichtiger und fester Bestandteil des Familienlebens. In der gemütlichen Essdiele mit angrenzendem Wohnraum befindet sich der Lebensmittelpunkt der Familie.

Die Familie nimmt aktiv an vielen Angeboten und Veranstaltungen des Ortes teil. Als sportbegeisterte Familie findet beispielsweise eine Teilnahme an Laufveranstaltungen und Sportabzeichen Wettbewerben statt. Bei gutem Wetter wird das örtliche Freibad gern besucht. Gut eingebunden ist die Familie ebenfalls in die evangelische Kirchengemeinde, die auch ein großzügiges Angebot für Kinder und Jugendliche bietet, sowie den zentralen Konfirmandenunterricht der Emmaus Gemeinde. Im Nachbarort befindet sich ein Reitverein und in gut erreichbarer Nähe mehrere Musikschulen mit einem vielfältigen Angebot.

Das Haus mit großem Garten liegt am Ortsrand von Dassel und bietet dadurch viele Möglichkeiten in der Natur zu spielen und sich unbeschwert und frei bewegen zu können. Hinter dem Haus erstrecken sich mehrere Wiesen und bis zum nächsten Waldstück sind es nur 10 Minuten Fußweg. Der Kindergarten befindet sich in der gleichen Strasse und auch zur Grundschule und den weiterführenden Schulen ist es nicht weit. Die Kinder verlieren keine Zeit durch lange Busfahrten und können zu Fuß oder mit dem Fahrrad die Schule erreichen.

Eine Besonderheit sind die Familienurlaube, die mit dem Wohnwagen und Zelten auf möglichst naturnahen Campingplätzen verbracht werden. In diesem Rahmen kann die Familie viel gemeinsame Zeit miteinander verbringen. Die „Entschleunigung“ dieser Form des Urlaubs bietet sich besonders gut an, dem technisierten Alltag einmal gänzlich zu entfliehen.


Heike Grewe

Die Erziehungsstelle Grewe ist in den Privathaushalt der Erziehungsstellenfamilie integriert und befindet sich in einem alten, aber liebevoll umgebauten und eingerichteten Bauernhaus. Das Haus mit Garten liegt in der Ortsmitte und bietet Raum für Bewegung und Spiel.

Die Erziehungsstelle Grewe bietet ein stabiles familiäres Umfeld und einen stabilen Freundeskreis. Ein klar strukturierter Tagesablauf, der gemeinsame Mahlzeiten und Unternehmungen beinhaltet, sind ein fester Bestandteil der Familie und dienen zur Orientierung und zum Austausch.
Der Lebensmittelpunkt befindet sich in der Wohnküche und im Garten der Familie. Dieser liegt am Waldrand und bietet Raum für allerlei Abenteuer und ebenso Ruhezonen zum Entspannen. Die jährliche Apfelernte und deren Verarbeitung ist eine Gemeinsamkeit, in die alle Familienmitglieder einbezogen werden.

Aufenthalte in der Natur finden täglich statt und die umliegende Landschaft wird in die Freizeitgestaltung eng mit einbezogen. So finden Aktivitäten am Bergsee statt, im Tümpel, am Wassertretbecken mit angrenzendem Spielteich und Spaziergänge im Wald. Diese Aufenthalte in der Natur dienen u.a. dazu, sich frei und unbeschwert bewegen zu können und man findet auch allerlei Material, welches die Fantasie anregt.

Liegt im Winter Schnee, so ist der Schlittenberg für einige Familien ein Treffpunkt, an dem Schlitten gefahren wird und ein Wintergrillen stattfindet.

Die Familie nimmt an Veranstaltungen im Dorf und auch den umliegenden Dörfern teil, z.B. am Meilerfest, dem Heimatfest, dem Tag der Regionen u.ä..

Der Kindergarten und die Grundschule befinden sich im zwei Kilometer entfernten Nachbarort, eine Kindertagesstätte mit dem Angebot einer Integrationsgruppe gibt es in der nahegelegenen Kernstadt. Hier befinden sich auch die weiterführenden Schulen, die mit dem Bus oder dem Zug zu erreichen sind.

Die Erziehungsstellen Wilkens und Grewe verfügen jeweils über zwei Plätze für Mädchen und/oder Jungen. Die Rechtsgrundlage für eine Aufnahme in die Erziehungsstelle bildet §27 SGB VIII i. V. m. §34 SGB VIII.

Aufnahmekriterien

Das Angebot Erziehungsstelle ist ein koedukatives Angebot. Es werden Mädchen und Jungen aufgenommen, die altersgemäß in die Struktur der Familie passen müssen. In der Regel werden Kinder aufgenommen, die nicht älter als zehn Jahre sind bzw. Jugendliche, die sich prognostisch auf das Leben in einer Erziehungsstelle einlassen können.

Aufgrund der kleinen und besonders Schützens würdigen Struktur der Erziehungsstelle ist bei der Aufnahmeentscheidung für ein Kind oder einen Jugendlichen nicht die Art oder Schwere der Störung ausschlaggebend, sondern die Einschätzung, ob für das Kind eine Integration in die derzeit bestehende Familienstruktur möglich ist. Eine kurzfristige oder nur vorübergehende Unterbringung in diesem Angebot ist auf Grund des familiären Charakters des Zusammenlebens nicht möglich.

Aufgenommen werden Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen im Bereich der sozialen und emotionalen Entwicklung, mit persönlichen, familiären und/oder schulischen Problemen (u.a.: ADHS, psychosomatische Krankheitsbilder), Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen im Bereich des schulischen Lernens, Kinder und Jugendliche mit leichten Beeinträchtigungen im Bereich der geistigen und körperlichen Entwicklung, Kinder und Jugendliche, die Opfer von Misshandlungen sind (sexueller Missbrauch, Verwahrlosung, körperliche und/oder seelische Misshandlung), Kinder und Jugendliche, die aus sozial „irreparablen“ Familienverhältnissen kommen und daher auf Dauer außerhäuslich untergebracht werden müssen sowie Kinder und Jugendliche, die im Rahmen einer Notaufnahme absehbar längerfristig untergebracht werden müssen.

Nicht aufgenommen werden Kinder mit schweren körperlichen Behinderungen und/oder schweren Beeinträchtigungen der Sinnesorgane, Kinder und Jugendliche mit manifester Geisteskrankheit sowie mit Alkohol- oder Drogenabhängigkeit.

Methodische Grundlagen

Das Zusammenleben des Kindes und/oder des Jugendlichen mit der Erziehungsstellenleiterin sowie deren Familie innerhalb des Angebotes Erziehungsstelle schafft ein überschaubares soziales Lernfeld, in dem neue und differenzierte Identifikationsbeziehungen wachsen können. Dabei können die Kinder und Jugendlichen die Erziehungsstelleneltern kontinuierlich, vielseitig und individuell erleben. Dies schließt auch Bereiche ein, die über das sonst übliche Arbeitsverhältnis hinausgehen. Die besonderen Lebensumstände sowie die angestrebte Langfristigkeit dieser Angebotsform, können den sozialen Erfahrungshorizont der Kinder und Jugendlichen erweitern.

Zu den methodischen Grundlagen gehören für uns:

  • Die kontinuierliche positive Verstärkung auch von kleineren persönlichen Fortschritten.
  • Die Suche und Bewusstmachung von selbstwertdienlichen Kognitionen bzw. Gedanken.
  • Die Erarbeitung förderlicher sozialer Fertigkeiten und Fähigkeiten im Alltagsgeschehen (Rücksichtnahme gegenüber Schwächeren, Wahrnehmung von Gefühlen, Verantwortungsbewusstsein für altersentsprechende Aufgaben innerhalb der Gruppe, Ausreden lassen, Zuhören, Akzeptanz und Empathie entwickeln, etc.) sowie die Vermittlung von Normen und Werten.
  • Das Einüben von Selbstkontrolle und Toleranz.
  • Ein ausgewogenes Verhältnis von Alltagsstruktur und freien Entfaltungsmöglichkeiten.
Elternarbeit

Die Kinder werden bei Bedarf unterstützt und begleitet bei telefonischen, brieflichen und persönlichen Kontakten zur Herkunftsfamilie.

Die pädagogische Arbeit in diesem sehr sensiblen Angebotsbereich ist in den meisten Fällen auf eine langfristige Perspektive und den Verbleib des Kindes in der Erziehungsstelle ausgerichtet. Uns ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig, den Kontakt zu den Eltern zu erhalten. Daher wird sowohl mit dem Kind, als auch mit den Eltern eine für beide Seiten annehmbare Möglichkeit der Auseinandersetzung und des Umgangs mit dieser Situation entwickelt.

Ist eine Rückführung das Ziel der Arbeit, so werden gemeinsame Besuche mit den Eltern und dem Kind geplant. Zusätzlich finden bei Bedarf Gespräche mit der Familienberaterin der Einrichtung statt, um die Rückführung vorzubereiten.

Ist eine langfristige Perspektive in der Erziehungsstelle das Ziel der pädagogischen Arbeit, so richten sich die Elternkontakte und die Intensität der Elternarbeit nach den individuellen Bedürfnissen und Wünschen.

Fachliche Ausrichtung des Angebotes Erziehungsstelle

Ähnlich wie die Familienwohngruppe ist auch die Erziehungsstelle ein sehr intensives Angebot. Das Kind oder der Jugendliche wächst in einer Atmosphäre auf, die durch einen respektvollen Umgang miteinander und gegenseitiger Wertschätzung gekennzeichnet ist. Die zeitliche Perspektive ist in der Regel langfristig ausgelegt, in den allermeisten Fällen bis zur Verselbständigung. Es besteht auch über die Volljährigkeit hinaus eine Bindung. Ist als Ziel der Maßnahme eine Rückführung geplant, so wird diese mittels einer intensiven Elternarbeit vorbereitet und begleitet.

Der konstante und verlässliche Rahmen der Erziehungsstelle und die pädagogisch/systemische Ausrichtung der Mitarbeiterin bilden die Grundlage für Sicherheit, Vertrauen und eine positive Entwicklung des Kindes, um traumatisierten Kindern und Jugendlichen eine neue Perspektive im Bereich zwischenmenschlicher Beziehungen geben zu können.

Das Zusammenleben als (Ersatz-) Familie ermöglicht es, das Kind und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen und ihm Raum für die Aufarbeitung emotionaler und sozialer Defizite zu geben. Die stabile Familiensituation fördert ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl der Kinder, Jugendlichen und der Mitarbeiter (Erziehungsstelleneltern) und vermittelt den Kindern Verlässlichkeit und Kontinuität in den Beziehungen.

Eine enge Zusammenarbeit mit den Schulen, Kindergärten und der Kirchengemeinde steht in der täglichen Arbeit ebenso im Fokus, wie die Nutzung der örtlichen Angebote und Vereine zur Integration der Kinder in die Gesellschaft.

Darüber hinaus bestehen intensive Kontakte zu Ärzten, Fachärzten, Therapeuten und anderen Facheinrichtungen, um eine optimale gesundheitliche Versorgung zu gewährleisten.